Jeder Mensch ist wertvoll und einzigartig

Heute möchte ich euch von einer Aussage erzählen, die meine Therapeutin in einer der Stunden in meiner dunkelsten Zwangsstörungsphase zu mir gesagt hat: „Sie sind wertvoll und einzigartig, einfach nur, weil sie in die Welt geboren wurden. Jeder Mensch ist das.“

Damals – ca. vor 10 Jahren – habe ich überhaupt nicht verstanden, was sie mir damit sagen wollte. Wir ihr wisst, habe ich mich gar nicht mehr gespürt und wusste zu dieser Zeit beim besten Willen nicht, was wertvoll oder einzigartig an MIR sein sollte.

Dieser Satz kam mir aber gerade in den letzten Monaten wieder öfter ins Gedächtnis. Wenn ich jetzt nach den vielen Übungen der Verhaltenstherapie, Yoga, Meditation und Achtsamkeit so darüber nachdenke, glaube ich, ihn zu verstehen. Jeder Mensch hat eine eigene DNA, die jeden Menschen einzigartig macht. Keinen Menschen gibt es 2x auf dieser Welt und das ist etwas ganz Besonderes und Wertvolles. Auch dich und auch mich!

An euch alle, denen es gerade nicht so gut geht: bitte vergesst das nie!

Unsicherheiten

Ich bin mir sehr sicher, dass ich meine Zwänge überwunden habe, aber… es gibt auch Ausnahmen.

Letzte Woche z.B. war ich beim Friseur. Ich hatte brav meine Stoff-Maske auf, mein Friseur ein Schild vor dem Gesicht und trotzdem kam so ein Gefühl in mir hoch. Was mache ich eigentlich hier? Muss ich wirklich in dieser Zeit unbedingt meinen Ansatz färben und meine Haare schneiden lassen? Ist es das wert, wenn ich evtl. jemanden anstecken könnte? Was es auch nicht besser gemacht hat, ist dass ich die Spucke Tröpfchen vom Reden in dem durchsichtigen Gesichtsschild des Friseurs gesehen und mich aus deshalb geekelt habe… einfach dieses bildliche, was man sonst immer nur in den Nachrichten liest. Diese Unsicherheit hängt ziemlich sicher auch mit dieser Corona-Zeit zusammen. Wir alle machen uns Gedanken und wollen alles richtig machen. Aber ganz ehrlich, dieser Tag des Friseurbesuchs war für mich gelaufen. Ich musste sogar duschen inkl. Haarewaschen, als ich zu Hause angekommen bin. Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass ich daraufhin dann auch noch ins Zweifeln kam, ob die Zwänge zurückkommen und wie ich es wagen kann, einen Blog zu schreiben, in dem ich hauptsächlich beschreibe, dass ich meine Zwänge überwunden habe. Bin ich eine Hochstaplerin… Ganz ehrlich, ich war kurz davor den Blog nicht weiter zu schreiben. Und in diesem Moment kam eine Nachricht von einer lieben Freundin, die immer gnadenlos ehrlich ihre Meinung sagt. Sie hat mir geschrieben, dass sie meinen Schreibstil sehr, sehr gut findet. Das war für mich ein Zeichen – genau in diesem Moment diese Nachricht.

Und jetzt ein paar Tage und ein paar Gespräche mit weiteren Freundinnen später, schreibe ich weiter. Einfach weil auch ich solche Zweifel und Unsicherheiten empfinden darf. Der Eindruck, dass meine Zwänge zurückkommen, ist wieder verschwunden. Das soll keine Ausrede sein, aber ich habe öfter schon die Vermutung, dass ich kurz vor meiner Periode den Eindruck hatte, dass ich nicht so stabil und ängstlicher generell ängstlicher bin. Evtl. hing es auch damit zusammen. Was auch immer es ist/ war, ich mache weiter!

An alle, die auch betroffen sind, kennt ihr diese Gefühle auch und an die weiblichen Leserinnen, habt ihr auch in Zusammenhang mit PMS manchmal den Eindruck, dass sich eure Symptome in dieser Zeit verstärkt zeigen oder ihr unsicher und ängstlicher seid?

P.S. Ich habe es gestern bei schönstem Wetter übrigens in den Wald geschafft. Es hat so gutgetan und hat mir auch beim Erden geholfen. Das Foto aus dem heutigen Post ist dort gestern entstanden.

Raus in die Natur

Gestern und heute kam mal wieder die Sonne raus. Es hat richtig gut getan, mal wieder mehr Zeit draußen zu verbringen. Überhaupt ist der goldene Herbst meine liebste Jahreszeit. Dieses leuchtende rot, orange, gelb und dunkelgrün! Für heute Nachmittag hatte ich mir dann vorgenommen mit den Hunden in den Wald zu gehen – haha, ich lache immer noch, wenn ich mal Pläne mache: es hat geregnet! Und wer auch Möpse hat, weiß, dass sie Regen nicht unbedingt lieben. Also gab es nur eine kurze Gassi-Runde und danach schwelgte ich in Erinnerungen. Von Zeiten, die ich damals mit Lilli (als Max noch nicht bei uns zu Hause war) noch alleine im Wald verbracht habe. Stundenlang sind wir durch die unterschiedlichen Baumarten bergauf- und bergab gelaufen, haben der Stille gelauscht und die gute Luft eingeatmet. Wir haben neue Wanderwege wie Abenteuerinnen getestet und die Aussicht von Plattformen genossen. Danach sind wir total ausgepowert, aber glücklich auf die Couch gefallen.

Der Wald hat einfach eine beruhigende Wirkung auf die Sinne und nach einem Spaziergang dort, fühle ich mich immer geerdet und entspannt. Das hätte ich gerne heute mal wieder genossen, aber das holen wir hoffentlich bald nach!

Liebt ihr auch Spaziergänge im Wald und hat der Wald auf euch auch so eine beruhigende Wirkung?

Offener Umgang im Berufsleben?

Die Anstrengung, unsere Zwangsstörungen – hauptsächlich im Job – zu verheimlichen, ist on top zu unseren Zwängen einfach zu viel.

Ich denke heute nach vielen Jahren symptomfrei noch oft daran, wieviel leichter mein Leben, als meine Zwangsstörungen noch akut waren, hätte sein können. Ich hätte z.B. meine Kolleg*innen ins Vertrauen ziehen können und sie um Unterstützung bitten können. Meine Führungskraft hätte ich informieren können, einfach damit ich mich nicht noch zusätzlich anstrengen muss, die Zwänge geheim zu halten. So viel Kraft flossen jeden Tag in die Zwangshandlungen, – gedanken und -rituale. Unvorstellbar, wenn man so etwas nicht selbst einmal erlebt hat.

Nachdem ich diese Woche an alle 3 Livesessions von shitshow mitverfolgt habe, muss ich aber leider für mich immer noch folgendes Fazit ziehen: wir müssen bedacht damit umgehen, mit wem wir über unsere Zwangserkrankung sprechen. Es kommt leider immer noch vor, dass Führungskräfte nicht richtig damit umgehen können und die Arbeitgeber*innen sitzen am längeren Hebel. Gerade in alteingesessenen konservativen Firmen, ist leider noch nicht genug Aufklärungsarbeit geleistet worden bzw. in den Köpfen der meisten Führungskräfte noch nicht die aktuelle Situation angekommen. In Startups oder anderen innovativen Unternehmen hingegen schon. Und dann ist es wiederum immer noch von der Führungskraft abhängig, d.h. wie sie zu psychischen Erkrankungen steht und wie gut sie sich damit auskennt und umgehen kann.

Bevor ich meinen Blog gestartet habe, war mein größter Struggle, ob ich diesen anonym schreibe oder nicht. Mein Bauch und mein Herz schreien auch heute noch, dass ich mich zeigen möchte, um noch authentischer zu sein. Noch mehr von mir und meinem jetzigen Leben erzählen zu können, doch ganz ehrlich, mein Verstand sagt mir leider immer noch „Vorsicht“. Ich glaube, mein jetziger Arbeitergeber könnte gut mit dem Thema umgehen, doch lasst uns mal weiter überlegen. Was, wenn ich den Job mal wechseln muss, was wenn ich einen neuen potentiellen Job nicht bekomme, nur aufgrund meiner Vergangenheit. Und dann ist die Frage, möchte ich überhaupt in so einem Unternehmen arbeiten, dass mich deshalb „aussortiert“. Für mich persönlich ist es eine absolute Stärke, die Zwänge überwunden zu haben. Und auch einen Blog darüber zu schreiben, um anderen zu helfen und Mut zu machen. So viele offene Fragen…

Wie geht ihr damit um? Denkt ihr, ich bin zu vorsichtig? Sprecht ihr eure psychischen Erkrankungen schon im Lebenslauf oder im Bewerbungsgespräch an? Oder erst nach der Probezeit? Wann ist der richtige Zeitpunkt? Und gibt es diesen überhaupt? Kennt ihr Vorbilder, die schon länger in Angestelltenverhältnissen sind und dort auch offen damit umgehen? Ich wäre euch für euren Rat und Tipps wirklich super dankbar.

Auszeiten, Ruhe & der Wunsch nach einem offenen Umgang im Büro

Was mir Corona dieses Jahr gelehrt hat ist, wie wertvoll Ruhe und Auszeiten für mich sind. Sie helfen mir dabei, mich zu spüren. Mein Job war und ist sehr hektisch, ich muss wahnsinnig schnell umdenken sowie umplanen und kann nicht immer so selbstbestimmt arbeiten wie ich mir das wünschen würde.

Durch die Corona bedingte Zwangs-Auszeit in diesem Jahr, ist mir erstmal aufgefallen, in welchem Hamsterrad ich mich seit Jahren befunden habe und manchmal noch befinde. Nur für den Job gelebt, Überstunden über Überstunden, lange Fahrtwege ins Büro und zurück, und dann abends so erschöpft, dass keine Kraft mehr für gesundes Kochen, Sport, Freund*innen und Hobbies blieb.

Nun hatte ich also jeden Tag 2-3 Stunden Quality-Time, konnte einfach mal nur durchatmen, in der Sonne sitzen, Zeit mit meinem Mann und den Hunden verbringen und mir wurde so nach und nach bewusst, wozu ich in den letzten Jahren nicht gekommen bin. Endlich konnte ich so vieles ausprobieren: Yoga-Challenges mit Mady Morrison, intuitives Essen, Udemy-Kurse, intensiver Podcasts hören, Ernährung umstellen auf vegetarisch – vegan teste ich noch, usw.

Meine Meditations- und Achtsamtskeitspraxis haben mir beim Reflektieren geholfen, was mir wichtig ist und wofür ich mich zukünftig engagieren möchte. Ich habe viele Jahre nach einem Sinn gesucht und ich glaube ihn nun gefunden zu haben: ich möchte anderen, die auch von Zwangsstörungen betroffen sind, mit diesem Blog helfen. Einfach meine Erfahrungen teilen, was mir geholfen hat, sie zu überwinden und somit Mut zu machen, dass sie es auch schaffen können.

Gleichzeitig möchte ich Zwangsstörungen entstigmatisieren – vor allem im Berufsleben. Es wäre mir eine Herzensangelegenheit, wenn alle Betroffenen ihre Krankheit nicht verstecken müssten. Die Krankheit an und für sich ist so schon kräftezehrend genug und dann müssen wir sie auch noch zusätzlich verstecken, da wir befürchten, unseren Job zu verlieben, wenn unsere Arbeitgeber davon erfahren. Was übrigens auch der Grund ist, warum ich diesen Blog anonym schreibe.

Mein Wunsch ist es, dass ich eines Tages auch im Büro offen über Zwangsstörungen sprechen kann. Shitshow widmet sich diese Woche unter anderem genau diesem Thema. Morgen um 16:00 Uhr geht’s los mit einem Insta-Live dazu.

Ich bin sooo gespannt, was sie dazu sagen und was sie empfehlen, es umzusetzen.

Meine Helfer – Teil 2: Meditation & Achtsamkeit

Zum Meditieren bin recht spät gekommen. Tatsächlich versuche ich erst seit fast einem Jahr, täglich ein paar Minuten zu meditieren. Ich habe mir eine App ausgesucht und zuerst mit einem Achtsamkeitskurs begonnen. Dieser war sehr ausführlich und wurde sogar zu fast 100% von meiner Krankenkasse übernommen. Der Kurs bestand aus 8 Modulen und fing immer mit einem theoretischen Teil an und endete mit einer kurzen Meditation. Bis zum nächsten Kurs gab es eine Hausaufgabe wie z.B. mal etwas eine Woche lang anders machen als gewohnt. Das musste nur etwas ganz Kleines sein, wie z.B. mal einen anderen Weg zur Arbeit zu fahren. Oder dass man bewusst etwas genießen soll – ich habe mich z.B. über den kleinen Park vor meinem Büro gefreut oder einfach, dass mich jemand auf der Straße zurück anlächelt.

So habe ich nach und nach neue Erfahrungen gemacht und mir Achtsamkeit als tägliche Routine in meinen Alltag eingebaut. Und das mit allen Tricks, dass ich es auch nicht vergessen: Smartphone reminder, Post it am Laptop etc.

Durch das Meditieren am Ende eines jeden Moduls, bin ich auch mehr und mehr darauf aufmerksam geworden. Ich habe verschiedene Wege gelernt, wie ich meine Gedanken beruhigen kann bzw. während der Meditation die Gedanken wieder loszulassen und mich nur auf die Meditation zu konzentrieren. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Meine liebsten sind z.B. sich die Gedanken als Boot auf einem See vorzustellen, das auf dem Wasser weiterzieht. Oder sich komplett auf das ein- und ausatmen zu konzentrieren und je nach Bedürfnis mit dem Einatmen ein bestimmtes Wort zu denken (wie Kraft) und beim Ausatmen ein anderes Wort (wie Gelassenheit).

Es ist wirklich erstaunlich wie beruhigend und erdend beides auf mich wirkt. Außerdem hilft mir die Achtsamkeit unheimlich bei meinem Selbstbewusstsein, da ich mich immer ein bisschen besser spüren kann.

Wie sind eure Helfer und Erfahrungen? Falls ihr auch mit Wörtern meditiert, welche helfen euch am besten?

Meine Helfer – Teil 1: Yoga

Schon öfters habe ich darüber geschrieben, dass mir Yoga, Meditation und Achtsamkeit gut tun und mir helfen, im Moment zu leben und meinen Körper sowie meine Bedürfnisse zu spüren und mir selbst somit besser vertrauen zu können.

Während meiner online Recherche bin ich auf diese Zeilen aufmerksam geworden (leider weiß ich die Quelle nicht mehr):

Einige Zwangspatienten haben oft das Gefühl, die eigene Kontrolle über ihr Leben verloren zu haben, ihnen ist ihr eigenes Erleben fremd geworden, sie vertrauen ihren eigenen Erinnerungen nicht mehr, sind sich ihren eigenen Bedürfnissen und Wünschen nicht mehr sicher, leiden oftmals unter einem sogenannten „Unvollständigkeitsgefühl“, d. h. sie erleben bei ihren Zwangshandlungen das Gefühl „nicht ganz da oder abwesend“ zu sein.

In diesen Worten habe ich während meines Tiefpunkts wiedergefunden und evtl. geht es euch ähnlich. Deshalb wollte ich gerne mit euch teilen was mir dabei geholfen hat und immer noch hilft, dass es nie wieder so weit kommt.

Bereits während meiner ersten klassischen Therapie hat mich meine erste Therapeutin dazu ermutigt, mal Yoga auszuprobieren. Ich war in mehreren Yoga-Schulen und -Studios und habe mich zum Schluss für eine Lehrerin und nicht die Schule bzw. das Studio entschieden, da ich festgestellt habe, dass es mir wichtig ist, dass der/die Lehrer*in authentisch ist. So kann ich mich am besten darauf einlassen und mich wohlfühlen.

Wie hilft mir Yoga: es erdet mich, lässt mich meinen Körper spüren, darf auch gerne anstrengend sein, umso schöner ist danach die Entspannungsphase und hilft mir dabei, Stress, den ich tagsüber z.B. während der Arbeit hatte, loszulassen. Mein bisher allerschönstes Yoga-Erlebnis war die völlige Entspannung nach einer Stunde. Ich war total ruhig, gelassen und nichts hat mich aus der Ruhe gebracht. Dieses Gefühl hielt sogar bis zum nächsten Tag an. Unbeschreiblich! Leider hatte ich das bisher nur einmal und ich überlege immer noch, was der Trick bzw. die genaue Kombination in dieser Stunde war. Ich vermute, es lag daran, dass wir mit einem sehr anstrengenden Flow angefangen haben und mit Yin Yoga zum Loslassen aufgehört haben.

Wer dazu Ideen und Anregungen hat, wie ich diesen Zustand nochmal erreichen könnte – ich wäre euch super dankbar!

Mich und meinen Körper nicht mehr gespürt

Durch Meditation, Achtsamkeit und Yoga spüre ich meinen Körper und meine Bedürfnisse immer besser. So kann ich schneller reagieren, wenn ich merke, irgendwas ist im Ungleichgewicht. Z.B. plane ich nach einer stressigen Arbeitswoche am Wochenende nicht jeden Tag mit Terminen oder Erledigungen zu. Sondern nehme mir bewusst Zeit für mich alleine, um dann das zu machen worauf ich in dem Moment Lust habe. Das kann lesen sein, an einem Online-Kurs teilnehmen, Yoga, mit den Hunden kuscheln und dabei Serien, Filme oder Dokumentationen gucken usw.

Früher, also zu den Zeiten als meine Zwangsstörung sehr stark ausgeprägt war, habe ich stellenweise nicht mal bemerkt, dass mich z.B. meine Hose am Bund kneift, ob ich Durst habe oder auf Toilette muss. Kaum vorstellbar, dass ich mich und meine Bedürfnisse so vernachlässigt habe und kein Selbstbewusstsein mehr hatte. Und kein Wunder, dass meine Psyche irgendwann nicht mehr mitgemacht hat. Ich bin von selbst auch gar nicht darauf gekommen, dass ich mich nicht mehr spüre. Glücklicherweise war meine Verhaltenstherapeutin sehr erfahren und empathisch, so dass sie es von sich bemerkt hat und das Thema angesprochen hat. Z.B. ob und wie ich spüre wie ich auf ihrer Couch sitze. Ich habe die Frage zuerst nicht mal verstanden. Jetzt nach vielen Achtsamkeitsübungen und Meditation, verstehe ich heute worauf sie hinaus wollte.

Es gibt einfach so viel zu lernen und Neues zu entdecken. Das ist etwas, dass ich immer mehr für mich entdecke: Neues auszuprobieren und zu lernen. Das regt zum Nachdenken und Nachspüren an. Wie z.B. einen Blog zu schreiben oder einen Online-Kurs für iPhone Fotographie und Diversity usw.

Was hast du zuletzt Neues ausprobiert?

Humor oder „Lache, wenn es nicht zum Weinen reicht“

Mir hilft bei allem Humor, so auch damals beim Umgang mit meinen Zwangsstörungen. Oftmals stellt die Ironie eines Witzes oder Spaß, für mich die Situation wieder etwas neutraler oder sachlicher dar. Bzw. „erwache“ ich damit aus der vermeintlich ausweglosen und schlimmen Situation. Mir wäre das damals gar nicht wirklich bewusst geworden, wenn mein Mann (damaliger Freund) Humor nicht immer angewendet hätte. Er hat einen sehr ironischen und trockenen Humor und genau das, war anscheinend sehr oft treffend und hilfreich für mich.

Doch nicht nur mein Mann hat dieses Hilfsmittel in absurden Situationen genutzt, sogar mein Psychotherapeut. Ich war einmal in einer Sitzung bei ihm und habe ihm etwas Vertrauliches erzählt. Das ist jetzt nicht wirklich überraschend, denn alles ist vertraulich, was dort besprochen wird. 🙂 Einer meiner Zwänge war aber tatsächlich, dass ich Angst davor hatte, es etwas Vertrauliches zu verraten und dass mir deshalb etwas ganz Schlimmes zustoßen könnte. Also musste ich mich immer mit Rückfragen vergewissern. Also fragte ich meinen Therapeuten: dass das, was ich ihm erzählt hatte doch auch wirklich in diesem Raum bleibt und vertraulich behandelt wird, oder?

Er schaute mich mit seinen lieben Augen durch seine Brille an und antwortet: „Darf ich vorher noch ein Foto von Ihnen machen, bevor ich diese Information auf Facebook poste?“

Ich musste direkt lachen und konnte die Situation wieder richtig einschätzen. Mit dieser ironischen Antwort hat er mich direkt abgeholt. Heute noch denke ich manchmal daran, wie wundervoll und treffend für mich er mit dieser Frage umgegangen ist. Er ist einfach ein ganz wunderbarer Therapeut mit enormem Fachwissen und liebevollem Umgang mit seinen Patienten, so dass er ganz genau weiß wie er mit wem am besten spricht.

Hilft euch auch Humor und Ironie in schwierigen Situationen oder bei Zwangsgedanken?

Meine Belohnung nach dem Therapieprogramm: NYC!

Wie in meinem letzten Beitrag „Mein Therapie-Programm – Teil 5“ schon erwähnt, hatte ich mir nach erfolgreichem Überwinden meiner ca. 100 Zwänge eine Belohnung verdient. Und die war für mich auch gleichzeitig ein sehr großer Test, da ich hatte ein wenig Angst, ob ich es auch wirklich schaffe. Denn mein Mann und ich sind für 1 Woche nach New York City geflogen!!!!! Das war schon immer mein Traum gewesen! Nicht zuletzt auch durch die Serie „Sex and the City“, von der ich ein großer Fan war und einmal dort entlanglaufen wollte, wo auch Carrie durch die Straßen spazierte und shoppte 🙂

Also planten wir unseren Trip und landeten im März 2010 auf dem JKF-Flughafen. Ich war vorher so aufgeregt, ob mir meine Zwänge nicht einen Strich durch die Rechnung machen. Doch es klappte alles erstaunlich gut. Selbst auf die Toiletten gehen in Kaufhäusern, Malls etc. habe ich geschafft, was einer meiner Zwänge mit dem höchsten Kontaminier-Faktor war. Es war einfach alles überwältigend für mich und nach wie vor mein allerschönster Urlaub, den ich jemals hatte. Und ich war schon an vielen anderen schönen Orten.

Wir hatten eine wundervolle Woche mit allem, was NYC zu bieten hat: Sightseeing, Central Park, Shopping, Museums-Besuche, leckeres Essen und einfach durch die Straßen zu laufen und alles live zu sehen, was wir bisher nur aus dem Fernsehen kannten. Die freundlichen und hilfsbereiten Menschen nicht zu vergessen! Mein persönliches Highlight war übrigens ein spontanes kurzes Konzert von Mary J. Blige auf dem Times Square. Da erinnere ich mich heute noch mit Freude und Gänsehaut dran, als wäre es gestern gewesen (es war 2010!!!). An diesen Moment denke ich heute noch, wenn ich eine Übung mache, für welche eine der schönsten Erinnerungen überhaupt ins Gedächtnis gerufen werden.

Am letzten Tag saßen wir bei allerschönstem Sonnenschein (ich behaupte heute noch, dass das Licht in NYC heller war) im Taxi auf dem Weg zum Flughafen. Als unser Taxifahrer fragte, wie es uns gefallen hat, wurde ich so von meinen Gefühlen überwältigt, dass mir einfach nur so die Tränen liefen. Ich war so traurig, New York wieder zu verlassen und gleichzeitig so stolz, dass ich es geschafft hatte und wir so eine wunderschöne Zeit dort hatten. Die Tränen liefen und liefen und ließen sich auch nicht stoppen. Wie ein Befreiungsschlag…

Habt ihr euch auch schon mal für Erfolge belohnt und wie ging es euch damit?