Glimmer vs. Trigger

Keine Triggerwarnung

Was ein Trigger ist, wissen ziemlich viele Menschen. Trigger können Inhalte sein, die bei manchen Menschen Erinnerungen an schlimme Dinge oder Traumata wachrufen. Deshalb werden bei Texten, Podcasts, Filmen etc. Trigger-Warnungen vorab verwendet.

Aber was ist Glimmer? Das kann ein schönes Lied, der Duft von Weihnachtsplätzchen oder eine Erinnerung an einen wundervollen Urlaub sein. Jeder Mensch hat eigene persönliche Glücks-Momente. Ein ganz kurzes Erlebnis, dass unser Herz höherschlagen lässt. Es ist also das Gegenteil eines Triggers.

Laut Expert:innen können diese Glimmer unsere mentale Gesundheit stärken und uns für einen kurzen Augenblick Sicherheit, Leichtigkeit und Entspannung in uns auswirken.

Dr. Deb Dana erklärt sogar „diese Mikromomente formen auf sanfte Weise unser Nervensystem um“.

Lernen wir also, Glimmer in unseren Alltag zu integrieren, können wir nach und nach unser Gefühl von Sicherheit und innerer Ruhe steigern.

Doch wie finden wir unsere eigenen Glimmer? Durch ausprobieren, z. B. einen Spaziergang im Wald machen, einen Hund streicheln oder eine Lieblingsserie anschauen .

Für mich hilft immer das Kuscheln mit unseren Hunden Lilli und Max oder – und das hebe ich mir für ganz besondere Momente auf – das spontane Konzert von Mary J. Blige als wir in New York waren und das Gefühl, dass dieses eine Lieb bei mir ausgelöst hat.

Kanntet ihr Glimmer schon und habt sogar welche, die ihr mit mir/ uns teilen möchtet?

Das Gefühl von Unvollständigkeit

Heute habe ich das Buch „Zwänge bewältigen“ von Burkhard Ciupka-Schön begonnen zu lesen. Schon auf den ersten Seiten hatte ich einen großen AHA-Moment. Er hat dort von dem Gefühl der Unvollständigkeit berichtet. Dieses ist ein weiteres Gefühl im Zwangs-Kosmos neben Scham, Schuld Angst und Ekel. Diejenigen von euch, die schon länger meinen Blog verfolgen können sich bestimmt an meine vorherigen Posts dazu erinnern. Falls nicht – klickt gerne mal ins Archiv.

Zurück zu dem AHA-Moment: das Gefühl der Unvollständigkeit hat mich tatsächlich mein komplettes Leben bis zur Überwindung meiner Zwänge begleitet. Ich erinnere mich z.B. an Momente, in denen ich dachte, warum muss ich das immer alleine durchstehen oder ich fühlte mich nicht komplett, als würde ein Teil von mir fehlen. Genauer kann ich das noch nicht beschreiben, da ich es heute erst realisiert habe. Aber ich werde mir dieses Gefühl nochmal in Ruhe genauer anschauen und ich gehe davon aus, dass in dem Buch auch noch näheres erläutert wird. Ich halte euch gerne auf dem Laufenden.

Es ist einfach so interessant, dass wir immer weiter dazu lernen. Ich bin davon ausgegangen, schon so viel über Zwangsstörungen zu wissen und doch ergeben sich immer noch neue Informationen. Ich liebe Bücher und Wissen-Aneignen.

Kennt ihr dieses Gefühl auch und könnt ihr es für euch schon besser beschreiben? Mich würde das sehr interessieren.

Ally für Menschen mit Zwangsstörung

Ally? Was bedeutet das überhaupt? Ally ist ein englischer Begriff, der übersetzt „Verbündete:r“ bedeutet. Allys sind Menschen mit Privilegien, die andere Menschen aus unterdrückten oder diskriminierten Gruppen unterstützen. Sie verbinden sie sich mit einer diskriminierten Gruppe, obwohl sie kein Teil davon sind und zeigen sich solidarisch und empathisch. Somit tragen sie dazu bei, dass sich Menschen aus marginalisierten Gruppen gehört, verstanden und wertgeschätzt fühlen. Allyship bedeutet Zustände kritisch zu hinterfragen, für Veränderungen offen, diversity (vielfältig)-sensibel und vorurteilsbewusst zu sein und das mit dem eigenen handeln und der Sprache zu zeigen bzw. umzusetzen. Allys kämpfen den Kampf gegen die Ungerechtigkeit, als ob es ihr eigener wäre.

Für die LSBTIQ* (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter* und Queers) Community ist ein Ally eine heterosexuelle und cisgeschlechtliche Person, die queere Menschen unterstützt und sich für ihre Rechte und Anliegen einsetzt.

Wie kann ich ein guter Ally sein?

  1. Übe dich in Akzeptanz und urteile nicht.
  2. Höre aktiv zu.
  3. Sei integrativ und schließe niemanden absichtlich aus.
  4. Wähle eine unterstützende Sprache
  5. Glaube der Person, die die unterstützt.

Wäre es nicht schön, wenn es Menschen gäbe, die Allys für uns Betroffene von Zwangsstörungen sind? Wie könnten sie sich eurer Meinung nach für uns einsetzen?

Ich danke euch schon vorab für euer Feedback und werde es gerne zusammengefasst in einem Beitrag selbstverständlich anonym teilen.

Zwangsstörung in Serien

Grey’s Anatomy: Miranda Bailey sortiert immer wieder ihr OP-Werkzeug.

Girls: Hannah Horvath muss gewisse Dinge immer 8-mal machen.

Monk: Adrian Monk hat u.a. Angst vor Keimen.

Euphoria: Rue Bennett hat neben mehreren psychischen Störungen auch eine Zwangsstörung und zählt z.B. die Deckenlampen.

Das sind 4 Serien, in welchen die Hauptdarsteller:innen, bis auf Grey’s Anatomy, eine Zwangsstörung haben. Ich freue mich immer, wenn diese Krankheit in Serien, Filmen oder ähnliches auftaucht. Das erzeugt immer Awarewess dafür und hilft bei der Entstigmatisierung. Die meisten der o.g. Serien gehen sogar sehr sensibel damit um und zeigen teilweise auch, wie sie geheilt werden kann.

Wenn ich Zwangsstörungen in Serien sehe, fühle ich mich den betroffenen Personen immer ganz besonders nah. Es gibt mir ein Verbundenheitsgefühl. Wenn es nicht so realistisch dargestellt wird, denke ich immer „no way“ – niemals würde die Person jetzt so oder so reagieren. Ich fiebere immer mit.

Als nächstes werde ich mir Pure anschauen. In dieser Serie geht es um sexuelle Zwangsgedanken. Bin schon gespannt wie es umgesetzt wird.

Kennt ihr noch weitere Serien, in welchen Zwangsstörungen Raum gegeben wird?

Die Community wächst

Letzte Woche hatte eine liebe Person, die ich aus Instagram kenne, die großartige Idee, alle Accounts, die sich mit Zwangsstörungen beschäftigen in einem Beitrag zu sammeln. Ich komme nicht umhin zu sagen, dass das wirklich eine ganze Menge waren.

Aber nicht nur auf Instagram, sondern auch immer mehr Blogger:innen und Podcaster:innen widmen sich meinem Herzensthema Zwangsstörungen.

Es macht mich so unglaublich glücklich, dass unsere Community wächst. Mit diesem Post möchte einfach mal „DANKE“ sagen. DANKE an jede einzelne Person, die ein
Stückchen dazu beiträgt, über die Krankheit aufzuklären und zu entstigmatisieren.

P.S. Bis heute um 23:59 Uhr könnt ihr auf meinem Instagram Account noch an dem Gewinnspiel teilnehmen. Mit ein bisschen Glück gewinnst auch du eine grüne Schleife des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit und kannst somit ein Zeichen setzen gegen Diskriminierung und Ausgrenzung psychisch erkrankter Menschen.

Selbsthilfegruppen-Bundestreffen der DGZ

Gestern habe ich an dem Selbsthilfegruppen-Bundestreffen teilgenommen. Organisiert wurde es von der Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen e.V. (DGZ) und so sah die Agenda aus:

09:30 Uhr: Ankommen und Begrüßung

10:00 Uhr: Vortrag von Frau Dr. Anne Külz aus Freiburg zum Thema „Achtsamkeit“

11:00 Uhr: Diskussion

11:30 bis 12:00 Uhr: Pause

12:00 bis 13:30 Uhr: Aus den Selbsthilfegruppen, Wünsche und Anregungen an die DGZ

13:30 Uhr: Ende

Wir starteten das Zoom-Meeting mit einer kurzen Vorstellungsrunde auf freiwilliger Basis. Einige Teilnehmende hatten die Kamera an, einige aber auch aus. Letzteres finde ich besonders angenehm für jene Betroffene, die anonym bleiben möchten.

Frau Dr. Anne Külz hielt einen hervorragenden Vortrag über Achtsamkeit und Zwangsstörungen. Ihr kennt sie bereits aus einem früheren Blog Post von mir, in welchem ich über ihr Buch „Dem inneren Drachen mit Achtsamkeit begegnen: Selbsthilfe bei Zwängen“ berichtet hatte. Wie im Flug ging die Stunde vorbei und ich hätte ich nur ewig zuhören können. Sie hat ein großes Wissen und ist eine sehr empathische Therapeutin. Umso mehr hat es mich gefreut, dass sie noch für eine Frage und Antwort Runde zur Verfügung stand, an welcher auch rege teilgenommen wurde.

Nach einer kurzen Pause kamen die Teilnehmenden aus den Selbsthilfegruppen zu Wort. Einige sind aktuell noch in keiner SHG, zeigten aber großes Interesse. Insgesamt wurden sehr hilfreiche und interessante Wünsche geäußert, auf welche die DGZ demnächst auch eingehen wird.

Wenn euch das auch interessieren sollte, schaut gerne mal hin und wieder auf der Homepage der DGZ vorbei. Die nächste bereits veröffentlichte Veranstaltung wird am 23. + 24.09.2022 in Lübeck stattfinden. Es ist die Jahrestagung der DGZ mit dem Motto: “Aus der Leitlinie in die Praxis”

Seid ihr Teil einer Selbsthilfegruppe? Und wenn ja, würdet ihr evtl. mit uns teilen, welche das ist? Gerne auch per DM an mich und teile eure Empfehlungen selbstverständlich anonym in einem separaten Beitrag.

Bitte nicht stören / Unterbrechungen bei Zwangsritualen

Triggerwarnung

Kennt ihr diesen Spruch, der vorne in Busse hängt?

„Fahrer während der Fahrt bitte nicht ansprechen“

An den muss heute rückblickend scherzhaft denken, wenn ich früher während eines Zwangsrituals gestört wurde.

Wenn ich kontrolliert hatte, ob der Herd auch wirklich aus ist, und unterbrochen wurde, musste ich wieder von vorne anfangen. Genau die gleiche Reihenfolge nochmal. Ist Knopf 1 auf „0“, ist Knopf 2 auf „0“ usw. Wenn ich bei Knopf 3 war und mein Mann mich was gefragt hat, weil er es nicht mitbekommen hatte, was ich gerade tue, war die komplette Zwangshandlung, die ich bis dahin durchgeführt hatte nichtig. D. h. als hätte ich noch gar nicht kontrolliert.

Oder und das ist auch nicht selten passiert, meine Gedanken sind zwischen abgedriftet. Dann war ich mir auch nicht mehr sicher, ob ich den Herd bis dahin „richtig“ kontrolliert hatte. Also auch wieder von vorne anfangen.

Nicht zu vergessen, der Gedanke, was ist, wenn ich gleich unterbrochen werde… schwupps und wieder von vorne usw.

Und so war ich ganz schnell in der Endlosschleife gefangen.

Wer von euch kennt’s auch?

Die Reportagen-Anfrage

Am Donnerstag erhielt ich via Instagram eine Anfrage von einer Medienagentur, ob ich eine Reportage über meine Zwangsstörung drehen würde. Ich war sofort begeistert, denn via Fernsehen ist es möglich, viele Menschen zu erreichen. Das wäre eine super Möglichkeit, um über Zwangsstörungen aufzuklären und sie zu entstigmatisieren. Also telefonierten wir und ich hörte mir an, wie das Konzept sein könnte. Wir hatten ein sehr einfühlsames und vertrauensvolles Gespräch. Auch konnte ich mir 2 Beispielvideos von früheren Reportagen anschauen.

Es gab allerdings 2 Haken:

  1. Die Reportage war für eine Sendung, die tagsüber in einem Privatsender ausgestrahlt wird.
  2. Ich hätte die finale Reportage nicht anschauen dürfen, bevor sie gesendet wird.

Was soll ich sagen, ich habe mich einfach nicht zu 100% wohlgefühlt. Zuviel hätte falsch dargestellt werden können. Wir Betroffene wollen nicht in die Opferrolle, Mitleid erhalten oder als schrullig abgestempelt werden. Wir wollen einfach nur Respekt. Respekt dafür, dass wir jeden Tag mit dieser leidvollen und kräftezehrenden Krankheit wieder aufstehen, kämpfen und das Beste daraus machen.

Es beschäftigt mich immer noch, dass ich abgesagt habe. Ich hätte wirklich gerne die Reichweite für mein Herzensthema Zwangsstörungen genutzt. Allerdings hätte ich mir ein anderes Format gewünscht. Ich hätte gerne seriös meine Geschichte erzählt und zwar positiv. Dass es möglich ist, ein gutes Lebens zu leben, auch mit der Diagnose Zwangsstörung. Ich wollte Mut machen. Hoffnung spenden. Zeigen, dass ich trotz Waschzwang 2 Hunde gerettet habe. Und noch so viel mehr…

Ich bin mir sicher, es kommt noch die richtige Anfrage. Von einem seriösen Sender für ein seriöses Format. Und dann bin ich gerne bereit.

Der Zwang und die Nahrungsmittel

Triggerwarnung

Es gab Zeiten in meinem Leben, da konnte ich nichts mehr außerhalb essen oder etwas, dass wir uns nach Hause bestellt hatten. Ich habe in meiner schlimmsten Zwangsphase mit Mitte 20 fast in jedem Essen etwas gefunden.

Da war z.B. ein Haar auf der Pizza, im Salat hat irgendwas geknirscht oder der Mensch in der Bäckerei hat mein Brötchen ohne Handschuhe und mit einem Pflaster an der Hand angefasst. Bei letzterem Beispiel hatte ich gleich 2 schlimme Gedanken: der erste war, oh je keine Handschuhe – hat sie etwa das Geld angefasst und dann mein Brötchen. Und der zweite war, hoffentlich kam kein Blut auf mein Brötchen. Wer weiß, wie das Pflaster draufgeklebt wurde und hat die Person evtl. danach noch nicht die Hände gewaschen. Was ist, wenn ich mich z.B. mit HIV anstecke und danach meinen Partner.

Dazu kamen dann noch Ängste vor bestimmten Nahrungsmitteln: Eier oder Hühnerfleisch könnten Salmonellen haben. Oder ich konnte z.B. keine Milchprodukte mehr essen, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen war. Dann dachte ich, dass ich davon krank werden könnte.

Es war nur noch schrecklich. Ich konnte fast nichts mehr einfach so essen. Was noch funktionierte, waren abgepackte Lebensmittel wie Brot und Nutella oder Gummibärchen. Leider keine gesunden Nahrungsmittel, was zu einer enormen Gewichtszunahme und kürzester Zeit führte.

Das gute an dieser Form des Zwangs war, dass ich damit sehr gut üben konnte, während meiner Verhaltenstherapie. Z.B. abgelaufene Lebensmittel einfach trotzdem essen. Vorher daran riechen und ein kleines Stück probieren, wenn es noch gut (ich glaube das war es immer), habe ich es dann komplett aufgegessen.

Das negative daran war, dass ich meinen Partner für Rückversicherungen miteinbeziehen konnte, bevor ich meine Verhaltenstherapie gestartet habe. Z.B. musste er an der Milch riechen, und mir bestätigen, dass sie auch

wirklich,

sicher,

ganz sicher,

ganz, ganz sicher

nicht sauer war.

Bitte, bitte, bezieht eure Angehörigen nicht mit ein. Das hilft euch nicht. Im Gegenteil, das wird euren Zwang verstärken. Und bitte sagt euren Angehörigen, dass sie zu euch sagen sollen, dass sie euch dabei nicht helfen dürfen. Nur so schafft ihr es im Rahmen einer Verhaltenstherapie, eure Zwänge zu überwinden. Ihr werdet merken, dass nichts passiert und das jedes Mal. Genau das braucht ihr, um den Zwang zu überwinden.

Buch Tipp: Anne Külz “Dem inneren Drachen mit Achtsamkeit begegnen: Selbsthilfe bei Zwängen

Martin von OCDLand hat mich im Podcast gefragt, welche Bücher ich empfehlen könnte. In diesem Moment ist mir leider keins spontan eingefallen. Da wurde mir bewusst, wie lange es schon her ist, seitdem ich alles, was mir dazu in die Finger gekommen ist, gelesen habe.

Das muss ich ändern, habe ich mir vorgenommen und mit dem Buch „Dem inneren Drachen mit Achtsamkeit begegnen: Selbsthilfe bei Zwängen“ von Anne Külz begonnen.

Es handelt sich um einen Ratgeber, wie Achtsamkeit bei Zwangsstörungen helfen kann. Anne Külz stellt viele wertvolle Achtsamkeitsübungen vor, erklärt Zusammenhänge und unterstützt bei der persönlichen Ursachenforschung.

Ich bin selbst Fan von Achtsamkeitsübungen und davon überzeugt, dass sie mir bei meiner Zwangsstörung geholfen haben. Sie unterstützen mich auch jetzt wieder dabei herauszufinden, wie es zu meinem Rückfall letztes Jahr im Frühling kam.

Für Menschen, die sie noch nicht mit Zwangsstörungen auseinandergesetzt haben, würde ich es nicht als erstes Buch empfehlen. Da gibt es andere, die erst mal Zwangsstörungen etc. erklären. Aber für Menschen, die schon in Therapie waren, und etwas Unterstützung fürs Reflektieren und bei sich bleiben lernen möchten, ist es eine Herzensempfehlung.

Schaut gerne auf meinen Buch Empfehlungen vorbei. Dort habe ich es euch verlinkt. Und ggf. findet ihr auch weitere Lese-Inspirationen.

Habt ihr spezielle Buch-Wünsche, über die hier demnächst berichten könnte?