Buch Tipp: Anne Külz “Dem inneren Drachen mit Achtsamkeit begegnen: Selbsthilfe bei Zwängen

Martin von OCDLand hat mich im Podcast gefragt, welche Bücher ich empfehlen könnte. In diesem Moment ist mir leider keins spontan eingefallen. Da wurde mir bewusst, wie lange es schon her ist, seitdem ich alles, was mir dazu in die Finger gekommen ist, gelesen habe.

Das muss ich ändern, habe ich mir vorgenommen und mit dem Buch „Dem inneren Drachen mit Achtsamkeit begegnen: Selbsthilfe bei Zwängen“ von Anne Külz begonnen.

Es handelt sich um einen Ratgeber, wie Achtsamkeit bei Zwangsstörungen helfen kann. Anne Külz stellt viele wertvolle Achtsamkeitsübungen vor, erklärt Zusammenhänge und unterstützt bei der persönlichen Ursachenforschung.

Ich bin selbst Fan von Achtsamkeitsübungen und davon überzeugt, dass sie mir bei meiner Zwangsstörung geholfen haben. Sie unterstützen mich auch jetzt wieder dabei herauszufinden, wie es zu meinem Rückfall letztes Jahr im Frühling kam.

Für Menschen, die sie noch nicht mit Zwangsstörungen auseinandergesetzt haben, würde ich es nicht als erstes Buch empfehlen. Da gibt es andere, die erst mal Zwangsstörungen etc. erklären. Aber für Menschen, die schon in Therapie waren, und etwas Unterstützung fürs Reflektieren und bei sich bleiben lernen möchten, ist es eine Herzensempfehlung.

Schaut gerne auf meinen Buch Empfehlungen vorbei. Dort habe ich es euch verlinkt. Und ggf. findet ihr auch weitere Lese-Inspirationen.

Habt ihr spezielle Buch-Wünsche, über die hier demnächst berichten könnte?

Waschzwang und Hunde: wie ist das vereinbar? Teil 2

Triggerwarnung

Und dann kam Max in unser Leben. Ca. 5 Jahre nachdem Lilli Teil unserer Familie wurde. Wir haben ihn über den Tierschutz aus Ungarn gerettet. Er war 9 Monate alt und das war das erste Foto, was wir von ihm damals bekamen.

Max wurde vom Tierschutz von einem unseriösen Züchter gerettet. Er saß die ersten Monate seines Lebens leider nur in einem Käfig. Er hatte weder Muskulatur in den Beinen, noch war er stubenrein oder kannte irgendein Kommando. Zum Glück hatte er aber keine schlimmen Erfahrungen mit anderen Hunden oder Menschen gemacht und kam direkt vertrauensvoll auf uns zu.

Kurz nachdem er sich bei uns eingelebt hat, haben wir ihn von unserer Tierärztin untersuchen lassen. Dabei kam raus, dass es ihm richtig gut geht, bis auf die Giardien (Darmparasiten), die in seinem Kot gefunden wurden.

Obwohl es mir zu diesem Zeitpunkt auf den Zwang bezogen gut ging, hat das etwas in mir ausgelöst. Die Ansteckungsgefahr vom Hund auf den Menschen ist gering, aber mir ging es trotzdem nicht gut damit. Das war meine erste negative Erfahrung in Bezug auf Hund und Kontaminationsängste. Ich konnte nicht so unbefangen mit ihm umgehen wie mit Lilli vorher. Max durfte mir z.B. auch nicht zu nah ans Gesicht kommen. Doch mit der richtigen Behandlung waren die Giardien bald weg. Ich habe mich auch wieder gefangen und jetzt sind wir ein gutes Team. Obwohl er meinen Mann trotzdem immer noch näher ist als mir. Dazu muss ich allerdings auch sagen, dass mein Mann ein „Hunde-Magnet“ ist. Jeder Hund geht immer direkt auf ihn zu. Das war bei Lilli damals auch schon so.

Max und Lilli sind auch ein Herz und eine Seele. Es ist so schön zu sehen wie die beiden mit einander umgehen. Futterneid ist so das einzige „Thema“, das die beiden haben. Aber auch dafür haben wir eine gute Lösung, nämlich füttern in getrennten Räumen. Und danach kuscheln sie sich aber wieder zusammen auf die Couch.

Wie würde Loriot sagen „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“.

Waschzwang und Hunde: wie ist das vereinbar? Teil 1

Schon häufig hat mich die Frage erreicht, wie ich trotz „Waschzwang“ bzw. Angst vor Viren etc. mit Hunden leben kann.

Vielleicht könnt ihr euch vorstellen, dass ich das in meiner schlimmen Zwangsphase nicht konnte. Aber als es mir immer besser ging und ich bemerkt habe, dass sich mein Zustand verfestigt hat, wuchs so langsam der Wunsch, einem Mops ein zu Hause zu geben. Möpse haben so etwas an sich, was mich anzieht. Sie machen mich fröhlich, bringen mich zum Lachen und kuscheln gerne mit Menschen.

Lange haben wir überlegt, ob wir das wirklich umsetzen. Nach ca. 5 Jahren haben wir dann dieses Foto von Lilli gesehen

Und es war um mich geschehen. Liebe auf den ersten Blick. Allerdings habe ich auch einige Tierhaar-Allergien und von daher war klar, wir machen erst mal einen Kennenlern-Termin. Also fuhren wir Lilli besuchen, haben Zeit mit ihr verbracht und mit dem kleinen Wirbelwind gekuschelt

Wir mochten uns direkt, es gab kein Anzeichen von Allergie. 1 Woche später haben wir Lilli abgeholt und ihr ihr neues Zuhause vorgestellt

Sie durfte von Anfang an zu uns auf die Couch, aber nicht ins Bett. Was soll ich sagen, mittlerweile darf sie überall hin …

Wir waren mit ihr Gassi. Sie war immer und überall dabei. Ich habe den Kotbeutel mit ihren Hinterlassenschaften gefüllt. Wir sind nach Hause gekommen und ich habe mir einmal die Hände gewaschen. Es gab nie auch nur einen Hauch von Zwang ihr gegenüber. Im Gegenteil, sie hat mich sogar beruhigt. Manchmal, wenn ein anderer Zwang sich kurz mal zeigte, ging es mir direkt besser, wenn sie sich neben mich gesetzt hat oder einfach im Raum war. Einmal hatte ich kurz und heftig Angst. Als sie sich auf meine Brust gelegt hat, ließ die Angst nach.

Natürlich wasche ich mir vorm Essen die Hände, wenn wir vorher gekuschelt haben oder Gassi waren. Aber ansonsten kein Zwang. Ich kann es euch auch nicht anders erklären, außer dass ich sie einfach von Anfang an ins Herz geschlossen habe und die Liebe offensichtlich überwiegt.

Ekel

Über Scham und Schuld habe ich bereits in vorherigen Posts geschrieben. Neben diesen beiden Gefühlen – und natürlich Angst -, gehört Ekel zu den Top 3 im Zwangsstörungskosmos.

Was ist Ekel? Der Duden definiert es wie folgt: „Übelkeit erregendes Gefühl des Widerwillens, des Abscheus vor etwas als widerlich Empfundenem. BEISPIELE: „Ekel vor fettem Fleisch empfinden“ oder „eine Ekel erregende Brühe“.

Wie fühlt sich Ekel an? Ekel äußert sich durch starke körperliche Reaktionen wie Brechreiz, Übelkeit, Schweißausbrüche, sinkenden Blutdruck bis hin zur Ohnmacht.

Hauptsächlich ekeln wir Betroffenen uns vor Bakterien, Viren, Schmutz und Körperflüssigkeiten oder -ausscheidungen. Als Beispiel nenne ich gerne den Besuch einer öffentlichen Toilette oder jeder anderen Toilette in z.B. Restaurants, Flughafen etc. Dort finden sich alle o.g. Beispiele, vor denen wir uns ekeln.

Ich glaube, die meisten Menschen gehen nicht gerne auf „fremde“ Toiletten. Sie machen es dann aber trotzdem, wenn sie ein dringendes Bedürfnis haben. Wir Betroffenen machen es – je nach Ausprägung des Zwangs auch – müssen danach aber mehrfach Hände waschen, duschen oder sich und die getragene Kleidung desinfizieren. Das geht stellenweise soweit, dass wir lieber gar nicht, diese Toiletten nutzen, sondern lieber warten, bis wir wieder zu Hause sind. In diesem Fall kann ich auch wieder nur an euch appellieren, bitte wartet nicht. Zum einen ist körperlich nicht gesund und zum anderen verstärkt es euren Zwang. Wenn ihr eine Verhaltenstherapie machen solltet, könnt ihr diesen Zwang auch erfolgreich mit Übungen überwinden. Das war z. B. meine erste Übung während meiner Verhaltenstherapie. Ich habe den Zwang überwunden, aber wenn ich ehrlich bin, gerne gehe ich immer noch nicht auf öffentliche Toiletten. Aber ich weiß, dass ich mich überwinden und es gerade wegen des Zwangs extra tun sollte. Damit er u. a. nicht wieder kommt…

Mein erster Podcast

Seit 2 Tagen ist die Folge des OCDLand Podcasts „Zwanglos“ mit mir als Gästin online:

Teile davon werden auch auf YouTube zu sehen sein. Hier schon mal das erste Video:

Es war ein wirklich angenehmes Gespräch. Herzlichen Dank an dieser Stelle nochmal an Martin, den Gründer von OCDLand, dass ich dabei sein durfte. Ich kann euch seine wertvolle Arbeit in Bezug auf Zwangsstörungen wärmstens empfehlen. U.a. seine App, die euer digitale Begleiter für eure Zwangsstörung sein kann, aber auch die Recovery Community sowie die Erfahrungsberichte von Betroffenen. Ich durfte auch schon einen Bericht dort veröffentlichen. Schaut gerne mal bei ihm vorbei: https://ocdland.com/

Wir haben u.a. über meine Zwänge gesprochen, meine Therapien und dass mir Medikamente geholfen haben. Aber auch über die Entstigmatisierung von Zwangsstörungen und generell den Gebrauch von Sprache und wie wichtig dieser ist. Insgesamt haben wir über 1 Stunde gesprochen und die Zeit ist nur so verflogen.

Seitdem die Folge online ist, habe ich in dieser kurzen Zeit schon so wundervolles Feedback aus der Instagram Community erhalten. Eins davon würde ich gerne hier mit euch (selbstverständlich anonym) teilen:

Liebe Jess, eben habe ich deinen Podcast gehört und gespannt verfolgt, wie du das „Geheimnis“ deines Erfolgs in Therapie und Recovery so offen, authentisch und berührend beschreibst. Du bist so sympathisch und kannst mit deiner Art bestimmt vielen Menschen Hoffnung geben. Ich möchte dir meine große Bewunderung und Anerkennung für das, was du geschafft hast und nun täglich als Mutmacherin an andere weitergibst, aussprechen. Ich bin übrigens völlig deiner Meinung, was zu zu Stigmatisierung und Sprachgebrauch schreibst. Das ist so wichtig („… ein Mensch MIT einer Erkrankung“). Da bei Menschen mit einer Zwangsstörung oft auch Selbst-Stigma (was dann wie eine zweite Krankheit ist) sehr ausgeprägt ist, finde ich hilfreich, Worte wie z.B. „Zwangi usw.“ nicht zu verwenden (machen wir nicht an unserer Klinik). Herzliche Grüße und vielen Dank.

Ich bin immer noch total gerührt von euren lieben Worten und so froh darüber, dass ich euch etwas Mut machen konnte. Herzlichen Dank und von meiner Seite aus, dürfen gerne noch weitere Podcasts folgen…

Angst vor der Klinik in meiner Hochphase

Triggerwarnung

Wegen meiner Zwangsstörung war ich nie in einer Klinik. Ich habe meine Verhaltenstherapie zusammen mit meiner Therapeutin bei ihr und bei mir zu Hause durchgeführt. Und wisst ihr warum?

Ich hatte Angst. Angst, dass ich mir evtl. ein Zimmer mit einem Menschen in der Klinik teilen müsste oder dass mir dort irgendwas zustößt, z.B. im Schlaf. Mir fehlte außerdem der Glaube an mich, dass ich mich auf mich verlassen kann. Oder auch, dass ich einfach das Leid der anderen Menschen dort nicht ertragen könnte, da ich sehr empathisch bin.

Heute weiß ich, auch das hat mir der Zwang „eingeredet“. Wie schlimm ich mich allerdings damals damit gefühlt habe, kann ich immer noch gut nachempfinden. Bestimmt hätte mir ein Klinikaufenthalt auch gut getan. Ich bereue es nicht, wollte es aber nicht unerwähnt lassen. Da es evtl. einigen von euch auch so geht und ich euch darauf aufmerksam machen möchte.

Mitglied bei Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen e.V.

Ja, ich bin dort jetzt auch Mitglied. Ich habe schon viele Jahre selbst, auf ihrer Homepage recherchiert oder sogar hier in meinem Blog den Link geteilt. Warum bin ich nie beigetreten? Ich weiß es beim besten Willen nicht. Aber dafür bin ich es jetzt. Und ich freue mich so sehr darüber.

Die DGZ bietet die folgende Unterstützung an:

  • Telefonische Hinweise auf Therapeut:innen für Zwangsstörungen in deiner Region
  • Vermittlung zu Selbsthilfegruppen in deiner Nähe
  • Hilfestellung beim Aufbau von Selbsthilfegruppen
  • Telefonische Beratung
  • Jährliches Bundestreffen für Selbsthilfegruppen
  • Informationsveranstaltungen zu Zwangsstörungen
  • Jahreskongress (Austausch für Expert:innen und Betroffene)
  • Ideelle Unterstützung von Forschungsprojekten über Zwangserkrankungen
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Ratgeberbroschüren
  • Zeitschrift Z-aktuell (4 x jährlich)
  • Infostelle Trichotillomanie
  • Nichtmitglieder erhalten telefonische Hinweise auf Selbsthilfegruppen und Therapeut:innen in ihrer Region und können gegen Schutzgebühr das gesamte Informationsmaterial beziehen.

Die DGZ berät euch gerne, falls ihr eine:n erfahrene:n Therapeut:in sucht, eine Klinik oder Selbsthilfegruppe. Aber gerne auch, wenn ihr Hilfe für eure Angehörigen benötigt. Ihr erreicht sie telefonisch montags bis freitags von 10:00 – 12:00 Uhr unter 040 689 13 700.

Weitere Infos findet ihr hier

Und falls ihr schon Mitglied seid und die Z-aktuell bezieht, findet ihr evtl. demnächst einen kleinen Artikel von mir…

Mein Mutmachleute Beitrag

Auf Instagram bin auf das Mutmachleute Profil aufmerksam geworden und war sofort begeistert. Da will ich auch dabei sein, dachte ich mir. Und habe es umgesetzt. Das Ergebnis meines Beitrags findet ihr im Folgenden oder klickt gerne hier :

Zwangsstörung: Ihr könnt es schaffen, eure Zwänge zu überwinden und ein schönes Leben zu leben. Ich habe es auch geschafft.

Betroffene: Jess (she/her)

Jahrgang: 1979

Diagnose: Zwangsstörung

Therapien: Analytische Psychotherapie und kognitive Verhaltenstherapie

Ressourcen: unsere Hunde, Yoga, Meditation, Achtsamkeit, Humor!

Wie und wann hast du von deiner Erkrankung erfahren?

Mit Mitte 20 von meinem Hausarzt

Warum hast du dich entschieden, nun Gesicht zu zeigen?

Ich schäme mich nicht mehr für meine KRANKHEIT und möchte keine Kraft mehr fürs Verheimlichen verschwenden. Außerdem hilft es in vielen (auch beruflichen) Situationen, dass mein Gegenüber mich besser verstehen kann.

Die Zeit des Versteckens ist vorbei! Nun heißt es Gesicht zeigen und anderen Betroffenen damit Mut machen, dass es ein schönes Leben mit Zwangsstörungen gibt. Und ganz wichtig: um die Krankheit zu entstigmatisieren.

Mein Traum wäre es, dass alle, die an Zwangsstörungen erkrankt sind, sich in der Zukunft nicht mehr verstecken und sich dafür schämen müssen. Es ist eine Krankheit, die wir uns nicht ausgesucht haben.

Wie hat dein Umfeld reagiert, als es von deiner Krankheit erfahren hat, und welchen Umgang würdest du dir von deinem Umfeld (und der Gesellschaft) in Bezug auf deine Erkrankung wünschen?

  • Verständnisvoll und unterstützend
  • Uns nicht zu beobachten, wenn wir z.B. Zwangshandlungen ausführen.
  • Unser Tempo zu akzeptieren. Wir sind bei bestimmten Dingen, auf die unser Zwang einwirkt langsamer oder benötigen mehr Zeit für z.B. Zwangshandlungen. Da kommt es leider auch mal vor, dass wir uns bei Verabredungen verspäten etc.
  • Und was noch wichtiger ist: nie auf unsere Rückversicherungswünsche eingehen. Das muss ich ein wenig erklären: unsere Zwänge und die damit verbunden Zwangshandlungen und -gedanken, verschaffen uns einen kurzen Moment der Sicherheit. Doch je mehr Raum wir dem Zwang geben, desto mehr Macht gewinnt er über uns. D.h. ein großer Teil unserer Therapie ist es, sich einem Zwang auszusetzen, und die aufkommende Angst und den Ekel auszuhalten, um diese zu überwinden.

Ich habe dazu dieses Bild erstellt:

Allerdings neigen wir dazu unsere Liebsten, in unsere Zwänge mit einzubeziehen, in dem wir sie z.B. fragen, ob der Herd aus ist (denn sonst müssten wir mehrfach kontrollieren bzw. die Angst aushalten) und holen uns über sie unsere Rückversicherung.

Teil meiner Verhaltenstherapie war es, dass ich meinem Partner sagen musste, dass er mir nicht auf so eine Frage antworten darf. Er durfte mich aber gerne unterstützen, indem er mich z.B. mit etwas anderem ablenkt. Mein Mann und ich haben ganz viel mit Humor gearbeitet. Das hat mir so gut geholfen.

Welche Dinge haben dir am meisten geholfen, die Krankheit zu akzeptieren?

  • Zu merken, dass ich die Macht über sie habe und sie somit (fast) immer steuern zu können.
  • Humor
  • Achtsamkeit

Welche Ressourcen nutzt du in Krisensituationen?

  • Den Zwängen keinen Raum geben, d.h. den Zwang auszuhalten
  • Kein Vermeiden von mir unangenehmen Situation
  • Mit meinen Hunden kuscheln
  • Pausen einbauen
  • Genug schlafen
  • Reflektieren, warum genau jetzt der Zwang da ist und auf was er mich hinweisen möchte
  • Humor (Überraschung 😊 )

Was möchtest du anderen Betroffenen mit auf den Weg geben?

  • Mit der richtigen Therapie, d.h. einer Verhaltenstherapie, und in schlimmen Fällen zusätzlich Einnahme von Antidepressiva, könnt ihr es schaffen, eure Ängste zu überwinden. Ich habe es auch geschafft!
  • Bitte schämt euch nicht für eure Zwangsstörung. Es ist eine Krankheit wie jede andere auch. Sie zu verstecken raubt die allerletzten Reserven, die wir noch haben.

Was möchtest du anderen Angehörigen mit auf den Weg geben? Wie können sie dir (einerseits) und sich selbst (andererseits) am besten helfen?

  • Nehmt euch Auszeiten von uns und geht z.B. einem Hobby nach, dass euch gut tut. Ihr müsst eine ganze Menge mit uns mitmachen und wir wissen das. Vielleicht hilft euch auch, euch in einer Angehörigengruppe auszutauschen. Aber da ist jeder Mensch anders.
  • Unterstützt uns, indem ihr uns in schlechten Phasen ablenkt, aber helft uns nicht, in dem ihr z.B. unsere Zwangshandlungen für uns durchführt. Denn dann wird unser Zwang mächtiger und wir wollen ihm ja nicht noch mehr Raum in unserem Leben geben.

Was macht deinen Charakter aus und welche Eigenschaft schätzt du an dir am meisten?

  • Ich bin empathisch, freundlich, wissbegierig und liebe es zu lachen.
  • Da ich weiß wie es sich anfühlt, wenn man nicht freundlich behandelt wird.
  • Außerdem versuche ich, allen Menschen freundlich zu begegnen. Da ich nie wissen kann, wie es der Person gegenüber geht und mit was sie gerade struggelt.
  • Humor hilft mir in allen Situationen.

Meinen Blog habe ich Freiheit und Vertrauen genannt, da Freiheit für mich das Gegenteil von Zwang bedeutet und Vertrauen das Gegenteil von Kontrolle. Ich möchte gerne positiv mit meiner Zwangsstörung umgehen und darüber berichten.

Jess ist außerdem bei Instagram.

Zwangsspektrumsstörungen

Beim Recherchieren während meines Urlaubs, bin ich auf diese Seite gestoßen. Dort wird u.a. erklärt, welche Erkrankungen noch zum Zwangsspektrum gehören.

Auf Instagram habe ich bereits gelernt, dass z.B. Trichotillomanie (“Haare ausreißen”) sowie Dermatotillomanie (“Skin-picking Disorder”) dazu eingeordnet werden. Doch es gibt noch viele weitere Erkrankungen, die den bereits bekannten Zwangsstörungen ähneln. Auch diese sind mit dem starken Drang verbunden, dass eine bestimmte Handlung immer wieder durchgeführt werden muss. Ebenfalls wie bei Zwangsstörungen empfinden die Betroffenen ihre Handlungen als übertrieben bzw. unnötig. Besonders interessant fand ich, dass viele Erkrankungen zu den Zwangsspektrumsstörungen zählen, auf die ich nie gekommen wäre. Im Folgenden findet ihr sie:

Impulskontrollstörungen (“Verhaltensüchte”) 

  • Trichotillomanie (“Haare ausreißen”)
  • Dermatotillomanie (“Skin-picking Disorder”)
  • Pathologisches Kaufen (“Kaufsucht”)
  • Pathologisches Glücksspiel (“Spielsucht”)
  • Pathologisches Stehlen (“Kleptomanie”)
  • Pathologischer Internetgebrauch (“Internetsucht”)

Bestimmte neurologische Erkrankungen

  • Tic-Störungen / Tourette-Syndrom

Erkrankungen, die mit einer ständigen Beschäftigung mit dem eigenen körperlichen Erscheinungsbild und/oder mit Krankheiten einhergehen

  • Körperdysmorphe Störung (Wahrnehmungsstörung des eigenen Körperbildes)
  • Hypochondrie (Angst vor Krankheiten)

Na, habt ihr bereits alle gekannt bzw. war es euch bewusst, dass sie dazu gehören?

Warum wir auf den Begriff „mein innerer Monk“ verzichten sollten

Am Freitag bin ich mal wieder auf den Begriff „mein innerer Monk“ gestolpert. Das habe zum Anlass genommen einen Instagram Post zu veröffentlichen. Diesen möchte ich euch hier natürlich auch nicht vorenthalten:

“ Warum wir auf den Begriff „mein innerer Monk“ verzichten sollten

Er ist vergleichbar mit dem englischen Ausdruck „I am so OCD“. Beide Begriffe werden oft verwendet, wenn Menschen etwas lustig umschreiben möchten, wenn sie z.B. etwas gerne aufgeräumt, ordentlich oder ähnliches mögen.

In der letzten Zeit wird er immer häufiger von lieben Menschen in Podcast, Posts oder im Sprachgebrauch verwendet, die möchten, dass sich ihr Umfeld bei ihnen wohlfühlt. Er wird unbedacht und ohne böse Absicht, sondern eher als Humor bzw. lustigen Spruch eingesetzt.

Monk ist eine Serie, in der stellenweise verharmlost wird, wie schlimm eine Zwangserkrankung oder Zwangsstörung (engl. Begriff OCD) sein kann. In extremen Fällen, sind Betroffene nur noch zu Hause, kontrollieren beispielsweise in Endlosschleife den Herd oder waschen sich die Hände wund, können nicht mehr arbeiten gehen, haben keine Kraft mehr und kommen nur noch mit der Hilfe von einer Verhaltenstherapie und Medikamenten da wieder raus. 

Für solche Menschen fühlt es sich nicht gut an, wenn Menschen, die keine Zwangsstörung haben, diese Begriffe nutzen. So wirkt die Krankheit verharmlosend und wird verniedlicht. Zwangsstörungen sind aber genau das Gegenteil. Sie sind eine sehr erstzunehmende Erkrankung, die mit sehr viel Leid und Scham verbunden ist.

Ich selbst lebe auch seit über 25 Jahren damit. Mir geht es momentan gut. Ich möchte mich für diese Krankheit stark und anderen Betroffenen Mut machen. Indem ich über Zwangsstörungen aufkläre, möchte ich zu ihrer Entstigmatisierung beitragen. Weitere Infos findet ihr in meinem Instagram Profil oder meinem Blog www.freiheitundvertrauen.de

Mit diesem Post möchte ich darauf aufmerksam machen, wie sich die Nutzung des Begriffs „mein innerer Monk“ für Menschen mit Zwangsstörungen anfühlt. Er soll nicht als Kritik mit böser Absicht verstanden werden. Im Gegenteil: ich würde mich freuen, wenn meine Worte nachempfunden werden können und somit zu mehr Verständnis führen.“

Wie seht ihr das? Ich würde mich sehr über euer Feedback freuen.