Insta Live mit Irena Mikic & Peter Wittkamp

Am Mittwoch hat es stattgefunden – das Insta Live von Irena und mir. Irena ist Fachexpertin für Zwangsstörungen und die Autorin von „Zwangsstörung und Zwangshandlungen“. Unser Überraschungsgast, den wir vorher nicht namentlich erwähnt hatten, war Peter Wittkamp. Ja, genau der Peter Wittkamp, der u.a. das Buch „Für mich soll es Neurosen regnen“ geschrieben hat. Beide Bücher findest du auch unter meinen Buch Empfehlungen.

Im Vorfeld hatten wir unseren Follower*innen die Möglichkeit gegeben, anonym Frage zu stellen, die wir im Live beantworten. Wir hatten uns auch schon dazu vorab abgestimmt und ein kleines Konzept überlegt. Tja, und was soll ich sagen, dann kam es doch etwas anders als geplant. Peter war so freundlich und hat uns länger seine Zeit geschenkt, so dass wir die Themen ein wenig angepasst haben. U.a. haben wir über Peters Job als u.a. Gagschreiber gesprochen und wie man Gagschreiber*in wird, über aufdringliche Gedanken und wie Angehörige ins Zwangssystem eingebunden werden und was sie tun können.

Hier kannst du dir das Live anschauen:

Und an alle, deren Fragen wir dieses Mal leider nicht beantworten konnten: bitte seid nicht traurig oder enttäuscht – das holen wir nach. Irena und ich haben schon fest eingeplant, dass wir wieder zusammen live gehen. Datum folgt…

Dankeschön-Insta-Live: Meine Antworten auf eure Fragen

Triggerwarnung

Von Herzen Danke an alle, die mich mit meiner Bezeichnungsfindung unterstützt haben! Dank euch sind wir zu folgendem Ergebnis gekommen:

Hoffnungsträgerin & Mutmacherin für Menschen mit Zwangsstörungen

Und als kleines Dankeschön habe ich mir überlegt, dass ich zum ersten Mal ein Insta-Live machen werde. Ihr habt mir vorab Fragen gestellt und ich habe diese – wie immer selbstverständlich anonym- beantwortet werde. Das Insta-Live hat heute um 18:00 Uhr stattgefunden – hier die Aufzeichnung

Da einige von euch sich aber auch gewünscht haben, dass ich die Fragen lieber schriftlich beantworte, here we go:

Fragen:

  1. Was für Zwänge hast du und wie lange schon?
  2. Was sind für dich Zeichen der Heilung von OCD?
  3. Kennst du folgendes: dauerhaftes Unwohlsein/ Angst, obwohl Zwangswiederholungen abnehmen?
  4. Wie bist du mit Stolpersteinen während der Therapie umgegangen oder Daueranspannung?
  5. Helfen dir Antidepressiva?

Antworten:

  1. Zwangshandlungen und Zwangsgedanken. In meiner schlimmsten Phase mit Ende 20 hatte zum Schluss um die 100 verschiedenen Zwänge angesammelt und konnte kaum noch das Haus verlassen. Am schlimmsten war bei mir die Angst vor Viren und Keimen. Danke einer Verhaltenstherapie habe ich es geschafft, diese zu überwinden und ein schönes Leben zu führen. Doch im Frühjahr 2021 hatte ich einen kurzen, aber heftigen Rückfall. Dieses Mal kam ein neuer Zwang hinzu: ich hatte Angst, dass meine Hunde sich vergiften könnten. Mein Zwang wollte mich auf etwas hinweisen, doch ich habe es weiter durchgezogen und es wurde schlimmer. Sogar bereits überwundene Zwänge kamen zurück. Daraufhin habe ich glücklicherweise sofort Hilfe von meiner Therapeutin und meinem Neurologen erhalten. Ich habe wieder meine Übungen aus der Verhaltenstherapie gemacht. Außerdem habe ich reflektiert, worauf mich der Zwang aufmerksam machen wollte. Und innerhalb kürzester Zeit, ging es mir schon besser und die Zwänge waren wieder weg. Jetzt geht es mir wieder gut und ich arbeite gerade die Ursachen auf.
  2. Für mich ist das erste Zeichen, dass ich erst mal annehme, dass ich eine Zwangsstörung habe und mir dann Hilfe suche. Danach folgt, dass ich bemerke, dass ich gerade z.B. einen Zwangsgedanken habe. Allein das ist schon so viel wert. Und irgendwann stelle ich dann fest, ich habe ja gerade gar nicht diesen Zwangsgedanken gehabt. Das ist für mich der größte Erfolg und dann bin ich super stolz auf mich. Ja, das fühle ich dann auch richtig, denn es ist so ein großer Kraftakt, an seinen Zwangsstörungen zu arbeiten. Darauf darf ich dann auch stolz sein!
  3. Ich bin mir nicht sicher, ob die Frage richtig verstehe. Was ich aber kenne ist, dass die Zwänge nachlassen bzw. weg sind und ich Angst habe, dass sie ja sowieso wiederkommen und dass es eh alles nicht bringt. Das stimmt aber nicht, denn es ist möglich, sie zu überwinden.
  4. Das ist eine sehr gute Frage! Ich hatte viele Stolpersteine und war dauernd angespannt. Es war auch so sehr kräftezehrend, die Übungen jeden Tag während der Therapie durchzuführen und immer und immer wieder. Aber ich habe mich dann z.B. an meine Therapeutin gewandt und mit ihr darüber gesprochen. Oder ich habe versucht, mich abzulenken. Leichte lustige Serien anschauen und puzzeln hat mir z.B. sehr gut geholfen, weil da immer sofort ein Ergebnis sehen konnte. Das muss aber meiner Meinung nach jede:r für sich selbst rausfinden, was hilft.
  5. Schlicht und einfach JA! Es war aber alles andere als einfach, als meine Therapeutin mir mein Antidepressivum verschrieben hat. Generell nehme ich nicht gerne Medikamente, nicht mal Kopfschmerztabletten. Aber die Wirkung auf die Zwangsstörung hat mich wirklich überzeugt. Die Nebenwirkungen sind auch nicht immer schön. Bei mir ist das hauptsächlich Müdigkeit, die manchmal am Tag einfach so auftritt. Aber das ist meiner Meinung nach alles besser, als der tägliche Kampf mit den Zwangshandlungen und -gedanken.

Ich hoffe, ich konnte eure Fragen beantworten. Falls nicht, schreibt mir gerne und ich werde näher darauf eingehen.