Einnahme-Dauer Antidepressiva

Wie die meisten von euch wissen, können Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) die Behandlung von Zwangsstörung medikamentös unterstützen. SSRI gehören zur Gruppe der Antidepressiva.

Serotonin ist ein körpereigener Botenstoff, der die Verbindung der einzelnen Nervenzellen im Gehirn sicherstellt. Die Wiederaufnahmehemmer helfen dabei, die bei uns Zwangserkrankten gestörte Impulsweitergabe wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Somit unterstützen sie eine ohnehin vorhandene, aber eben entsprechend beeinträchtigte körpereigene Funktion.

Eine medikamentöse Behandlung sollte aber trotz der guten Erfolge, nicht nur als einzige Therapie bei Zwangsstörungen eingesetzt werden. Bei ca. 25% der betroffenen Patient*innen verbessert sich der Zustand trotz medikamentöser Behandlung nicht. Nach wie ist die kognitive Verhaltenstherapie, d.h. Expositionen mit Reaktionstherapie der Goldstandard, für die erfolgreiche Behandlung von Zwangsstörungen.

Bei den meisten Betroffenen lassen die innere Anspannung und die Zwangssymptome mit der Einnahme von SSRI nach. Ob wir Zwangserkrankten darauf ansprechen, kann meist erst nach 8-10 Wochen festgestellt werden. Bei mir hat sich das so dargestellt, dass ich mich ruhiger gefühlt habe und mich überhaupt imstande fühlte, meine Verhaltenstherapie zu beginnen. Wenn sich die Symptome bessern, sollte die Einnahme noch eine gewisse Zeit fortgesetzt werden. Meistens wird ein Einnahme-Dauer von ca. mind. 1 Jahr empfohlen.

ABER: ist euch mal aufgefallen, dass es für keine Empfehlung gibt, wie lange sie eingenommen werden dürfen?

Lest das nochmal.

Ich habe schön öfters dazu recherchiert, aber nie etwas gefunden. Mein damaliger Psychiater hatte mir gesagt, dass es viele Menschen gibt, die ihr Leben lang Antidepressiva nehmen. Aber das hat mir nicht ausgereicht als Antwort.

Also nahm ich die DGZ Jahrestagung im September als Anlass, genau diese Frage an die Expert*innen vor Ort zu stellen. Und wisst ihr was, es gibt tatsächlich keine wissenschaftlich-fundierte Antwort darauf. Dbzgl. wurden leider nie Studien durchgeführt.

Ich finde das äußerst schade, da mich das interessieren würde. U.a. auch die Frage, ob die Wirkung von SSRI nach einer gewissen Einnahme-Dauer evtl. sogar nachlassen kann. D.h. ob evtl. ein Effekt eintreten kann, dass der Körper sich an Dosierung xyz gewöhnen kann usw.

Wie seht ihr das?

PS: Quelle

PPS: In diesem Post bin ich nicht auf die Nebenwirkungen von Antidepressiva eingegangen. Diese dürfen natürlich nicht ungesagt bleiben, hätten aber den Rahmen hier gesprengt. Infos dazu findet ihr in vorherigen Posts.

Phea-Studie

Die „Psychologische und Pharmakologische Effekte beim Absetzen von Antidepressiva“ (PHEA)-Studie wird am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und an der Philipps-Universität Marburg durchgeführt. Mit ihr soll das Absetzen von Antidepressiva genauer erforscht werden. U.a. welche Erfahrungen beim Absetzen von Antidepressiva gemacht werden, welche Faktoren beim Absetzen eine Rolle spielen und wie Patient*innen beim Absetzprozess besser unterstützt werden können. Somit soll sie dazu beitragen, individuelle Bedürfnisse der Patient*innen in der Behandlung zu ermöglichen.

Ein super spannendes Thema, worüber ich bisher leider noch wenig Infos gefunden habe. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als ich vor über 10 Jahren zum ersten Mal meine Anti-Depressiva abgesetzt habe. Mir ging es einigermaßen OK, aber ich hatte sehr schlimme Müdigkeitserscheinungen währenddessen.

Für die Studie werden Menschen gesucht,

  • die einen Absetzwunsch haben.
  • zwischen 18 und 75 Jahre alt sind.
  • bereits eine oder mehrere depressive Episoden hatten.
  • aktuell nicht mehr oder nur noch leicht depressiv sind.
  • über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen.

Ich selbst hatte keine depressiven Episoden, aber falls das auf euch zutreffen sollte und euch das interessiert, schaut gerne mal hier oder hier vorbei.