Eine Version von dir aus der Vergangenheit

Vor einigen Tagen habe ich dieses Zitat von Peter Beer gelesen „So viele Menschen aus deiner Vergangenheit kennen eine Version von dir, die nicht mehr existiert“

Und das hat mich zum Nachdenken angeregt. Es gibt so viele Beispiele von Dingen, die ich früher nicht gemacht habe. Z.B. habe ich keine Gefühle zugelassen, wollte cool sein oder warum auch immer. Im Teenageralter habe ich im Kino nicht geweint, weil ich nicht wollte, dass meine Freundinnen mich so sehen. Wenn ich heute einen traurigen Film schaue, lass ich meine Tränen einfach fließen. Ich könnte sie gar nicht zurückhalten. Es macht mich so glücklich, dass ich das mittlerweile gelernt habe.

Oder ein anderes Beispiel ist, dass ich früher nicht über mich selbst lachen konnte. Ich dachte ja, dass ich perfekt sein muss. Wenn mir heute was Tollpatschiges passiert, lache ich darüber und weiter geht’s.

Seit 1,5 Jahren esse ich kein Fleisch mehr. Ich versuche sogar, viele vegane Rezepte und genieße es. Früher wäre das für mich unvorstellbar gewesen.

So kam mir der Gedanke, dass viele Menschen aus früheren Zeiten, mich nun ganz anders einschätzen würden.

Veränderungen und sich weiter zu entwickeln kann sich sehr gut anfühlen und muss nicht immer nur Unsicherheit bedeuten.

8 Wege, ein Ally für Menschen mit Zwangsstörung zu sein

Auf Instagram bin ich diese Woche auf einen Beitrag von OCD North. Auf englisch hieß er „8 Ways to be an OCD ally“. Und das habe ich zum Anlass genommen, diesen Beitrag zu übersetzen und ein wenig auf Deutschland anzupassen. Im Folgenden findet ihr also meine Version:

  1. Schaffe einen sicheren Raum für Menschen mit Zwangsstörung, damit sie ihre Geschichte offen und ohne Vorurteile erzählen können.
  2. Spreche andere darauf an, wenn sie Zwangsstörung als Scherz oder den Begriff „mein innerer Monk“ verwenden.
  3. Betrachte mentale und körperliche Gesundheit als gleichwertig – beide verdienen Unterstützung und Aufmerksamkeit.
  4. Bringe Kindern etwa über Zwangsstörungen bei – lese Bücher, sieh dir Dokumentarfilme an und tausche Geschichten aus, in denen Zwangsstörungen thematisiert werden.
  5. Vermittele, dass es OK ist, sich professionelle Hilfe zu holen – Hilfe zu holen ist immer OK.
  6. Teile dein Wissen über Zwangsstörungen mit anderen.
  7. Fördere das Gespräch über das „Tabuthema“ Zwangsstörung, um die Scham über die Störung zu verringern.
  8. Verharmlose niemals die Angst, die Menschen mit Zwangsstörungen erleben.

Teilt diese Infos gerne mit so vielen Menschen wie möglich. Verbreitet die Botschaft 😊

Mein 2. Podcast

Ich durfte zum 2. Mal bei einem Podcast dabei sein. Die liebe Jackie und die liebe Johanna haben mich zu ihrem Ohne Zwang Podcast eingeladen. Wenn ihr mehr über die beiden erfahren möchtet, schaut gerne mal auf ihrem Instagram Account vorbei. Unsere Podcast Folge könnt ihr hier hören:

Wir haben u. a. darüber gesprochen, dass eine Zwangsstörung eine Krankheit ist und es mein Wunsch wäre, dass sie auch wie eine Krankheit behandelt werden sollte. D. h. dass wir Betroffenen uns nicht auch noch dafür schämen sollten, dass wir diese Krankheit haben. Denn auch ohne Versteckspiel raubt die Zwangsstörung, wenn sie schon sehr ausprägt ist, uns sämtliche Energie. Und das letzte bisschen Kraft, das uns noch bleibt, sollte nicht für das Verstecken der Krankheit aufgebracht werden.

Es war ein ganz wundervolles und vertrauensvolles Gespräch. Als würden wir uns schon ewig kennen. Tatsächlich haben wir aber zum ersten Mal überhaupt mit einander gesprochen. Vorher waren wir nur via Instagram Nachrichten in Kontakt.

Mich hat heute schon so viel liebes Feedback aus der Instagram Community erreicht. Bin immer noch total gerührt.

U.a. dieses:

„Wirklich, die Folge war total bereichernd! Einfach auch von anderen Erfahrungen zu hören und so einen Einblick zu bekommen, wie andere damit umgehen, ist so wertvoll! Du hast mir auch den Mut gegeben, nicht mehr so sehr an die „wohlmöglichen“, „eventuellen“ beruflichen Konsequenzen zu denken, wenn man seine Geschichte teilt. Weil genau vor so einer Entscheidung stehe ich auch gerade. Und du bist so ein starker Mensch! Hätte euch stundenlang zuhören können.“

Und zu meinem ersten Podcast mit dem lieben Martin von OCDLand habe ich diese Woche ein selbst gezeichnetes Bild von einer Instagram Followerin erhalten:

Außerdem es gibt jetzt sogar ein Zitat-Beitrag aus dem neuen Podcast von heute auf Instagram von mir:

Von Herzen Danke an jede:n einzelne:n von euch!!!!

Wie hat euch die neue Folge gefallen?

Buch-Tipp „Zwänge bewältigen“ von Burkhard Ciupka-Schön

„Ein Mutmachbuch“ steht auf dem Cover. Und genau das ist! Burkhard Ciupka-Schön hat es geschafft, ein Buch zu schreiben, das Mut macht, Zwänge zu überwinden. In diesen beiden Teilen

Teil 1: Zwänge erkennen und verstehen

Teil 2: Bewältigung von Zwängen

erläutert er einfach und gut verständlich, was Zwänge sind und wie sie bewältigt werden können.

In Teil 3: Erfahrungsberichte erzählen 3 Betroffene ihre Geschichte.

Ich habe mir ein großes Wissen über Zwangsstörungen angeeignet und schon viel über sie gelesen. Doch auch hier habe ich neue Impulse mitgenommen. Wie z.B. dass die meisten Betroffenen das sogenannte „Urvertrauen“ in ihrer jungen Kindheit nicht gelernt haben und dass Betroffene sich aktiv entscheiden sollten, die kognitive Verhaltenstherapie zu beginnen. Besonders gut gefallen hat mir, dass Humor beim Überwinden der Zwänge hilft. Humor war und ist mir auch heute noch wichtig.

Burhhard Ciupka-Schön ist Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut mit eigener Praxis in Krefeld sowie Mitbegründer der DGZ. Hier erfahrt ihr mehr.

Er war übrigens auch zu Gast in der neuen Ohne Zwang Podcast Folge und spricht dort u.a. über Ursachen von Zwangserkrankungen.

Habt ihr das Buch bereits gelesen? Und wenn ja, wie hat es euch gefallen?

Glimmer vs. Trigger

Keine Triggerwarnung

Was ein Trigger ist, wissen ziemlich viele Menschen. Trigger können Inhalte sein, die bei manchen Menschen Erinnerungen an schlimme Dinge oder Traumata wachrufen. Deshalb werden bei Texten, Podcasts, Filmen etc. Trigger-Warnungen vorab verwendet.

Aber was ist Glimmer? Das kann ein schönes Lied, der Duft von Weihnachtsplätzchen oder eine Erinnerung an einen wundervollen Urlaub sein. Jeder Mensch hat eigene persönliche Glücks-Momente. Ein ganz kurzes Erlebnis, dass unser Herz höherschlagen lässt. Es ist also das Gegenteil eines Triggers.

Laut Expert:innen können diese Glimmer unsere mentale Gesundheit stärken und uns für einen kurzen Augenblick Sicherheit, Leichtigkeit und Entspannung in uns auswirken.

Dr. Deb Dana erklärt sogar „diese Mikromomente formen auf sanfte Weise unser Nervensystem um“.

Lernen wir also, Glimmer in unseren Alltag zu integrieren, können wir nach und nach unser Gefühl von Sicherheit und innerer Ruhe steigern.

Doch wie finden wir unsere eigenen Glimmer? Durch ausprobieren, z. B. einen Spaziergang im Wald machen, einen Hund streicheln oder eine Lieblingsserie anschauen .

Für mich hilft immer das Kuscheln mit unseren Hunden Lilli und Max oder – und das hebe ich mir für ganz besondere Momente auf – das spontane Konzert von Mary J. Blige als wir in New York waren und das Gefühl, dass dieses eine Lieb bei mir ausgelöst hat.

Kanntet ihr Glimmer schon und habt sogar welche, die ihr mit mir/ uns teilen möchtet?

Das Gefühl von Unvollständigkeit

Heute habe ich das Buch „Zwänge bewältigen“ von Burkhard Ciupka-Schön begonnen zu lesen. Schon auf den ersten Seiten hatte ich einen großen AHA-Moment. Er hat dort von dem Gefühl der Unvollständigkeit berichtet. Dieses ist ein weiteres Gefühl im Zwangs-Kosmos neben Scham, Schuld Angst und Ekel. Diejenigen von euch, die schon länger meinen Blog verfolgen können sich bestimmt an meine vorherigen Posts dazu erinnern. Falls nicht – klickt gerne mal ins Archiv.

Zurück zu dem AHA-Moment: das Gefühl der Unvollständigkeit hat mich tatsächlich mein komplettes Leben bis zur Überwindung meiner Zwänge begleitet. Ich erinnere mich z.B. an Momente, in denen ich dachte, warum muss ich das immer alleine durchstehen oder ich fühlte mich nicht komplett, als würde ein Teil von mir fehlen. Genauer kann ich das noch nicht beschreiben, da ich es heute erst realisiert habe. Aber ich werde mir dieses Gefühl nochmal in Ruhe genauer anschauen und ich gehe davon aus, dass in dem Buch auch noch näheres erläutert wird. Ich halte euch gerne auf dem Laufenden.

Es ist einfach so interessant, dass wir immer weiter dazu lernen. Ich bin davon ausgegangen, schon so viel über Zwangsstörungen zu wissen und doch ergeben sich immer noch neue Informationen. Ich liebe Bücher und Wissen-Aneignen.

Kennt ihr dieses Gefühl auch und könnt ihr es für euch schon besser beschreiben? Mich würde das sehr interessieren.

Ally für Menschen mit Zwangsstörung

Ally? Was bedeutet das überhaupt? Ally ist ein englischer Begriff, der übersetzt „Verbündete:r“ bedeutet. Allys sind Menschen mit Privilegien, die andere Menschen aus unterdrückten oder diskriminierten Gruppen unterstützen. Sie verbinden sie sich mit einer diskriminierten Gruppe, obwohl sie kein Teil davon sind und zeigen sich solidarisch und empathisch. Somit tragen sie dazu bei, dass sich Menschen aus marginalisierten Gruppen gehört, verstanden und wertgeschätzt fühlen. Allyship bedeutet Zustände kritisch zu hinterfragen, für Veränderungen offen, diversity (vielfältig)-sensibel und vorurteilsbewusst zu sein und das mit dem eigenen handeln und der Sprache zu zeigen bzw. umzusetzen. Allys kämpfen den Kampf gegen die Ungerechtigkeit, als ob es ihr eigener wäre.

Für die LSBTIQ* (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter* und Queers) Community ist ein Ally eine heterosexuelle und cisgeschlechtliche Person, die queere Menschen unterstützt und sich für ihre Rechte und Anliegen einsetzt.

Wie kann ich ein guter Ally sein?

  1. Übe dich in Akzeptanz und urteile nicht.
  2. Höre aktiv zu.
  3. Sei integrativ und schließe niemanden absichtlich aus.
  4. Wähle eine unterstützende Sprache
  5. Glaube der Person, die die unterstützt.

Wäre es nicht schön, wenn es Menschen gäbe, die Allys für uns Betroffene von Zwangsstörungen sind? Wie könnten sie sich eurer Meinung nach für uns einsetzen?

Ich danke euch schon vorab für euer Feedback und werde es gerne zusammengefasst in einem Beitrag selbstverständlich anonym teilen.

Zwangsstörung in Serien

Grey’s Anatomy: Miranda Bailey sortiert immer wieder ihr OP-Werkzeug.

Girls: Hannah Horvath muss gewisse Dinge immer 8-mal machen.

Monk: Adrian Monk hat u.a. Angst vor Keimen.

Euphoria: Rue Bennett hat neben mehreren psychischen Störungen auch eine Zwangsstörung und zählt z.B. die Deckenlampen.

Das sind 4 Serien, in welchen die Hauptdarsteller:innen, bis auf Grey’s Anatomy, eine Zwangsstörung haben. Ich freue mich immer, wenn diese Krankheit in Serien, Filmen oder ähnliches auftaucht. Das erzeugt immer Awarewess dafür und hilft bei der Entstigmatisierung. Die meisten der o.g. Serien gehen sogar sehr sensibel damit um und zeigen teilweise auch, wie sie geheilt werden kann.

Wenn ich Zwangsstörungen in Serien sehe, fühle ich mich den betroffenen Personen immer ganz besonders nah. Es gibt mir ein Verbundenheitsgefühl. Wenn es nicht so realistisch dargestellt wird, denke ich immer „no way“ – niemals würde die Person jetzt so oder so reagieren. Ich fiebere immer mit.

Als nächstes werde ich mir Pure anschauen. In dieser Serie geht es um sexuelle Zwangsgedanken. Bin schon gespannt wie es umgesetzt wird.

Kennt ihr noch weitere Serien, in welchen Zwangsstörungen Raum gegeben wird?

Die Community wächst

Letzte Woche hatte eine liebe Person, die ich aus Instagram kenne, die großartige Idee, alle Accounts, die sich mit Zwangsstörungen beschäftigen in einem Beitrag zu sammeln. Ich komme nicht umhin zu sagen, dass das wirklich eine ganze Menge waren.

Aber nicht nur auf Instagram, sondern auch immer mehr Blogger:innen und Podcaster:innen widmen sich meinem Herzensthema Zwangsstörungen.

Es macht mich so unglaublich glücklich, dass unsere Community wächst. Mit diesem Post möchte einfach mal „DANKE“ sagen. DANKE an jede einzelne Person, die ein
Stückchen dazu beiträgt, über die Krankheit aufzuklären und zu entstigmatisieren.

P.S. Bis heute um 23:59 Uhr könnt ihr auf meinem Instagram Account noch an dem Gewinnspiel teilnehmen. Mit ein bisschen Glück gewinnst auch du eine grüne Schleife des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit und kannst somit ein Zeichen setzen gegen Diskriminierung und Ausgrenzung psychisch erkrankter Menschen.

Selbsthilfegruppen-Bundestreffen der DGZ

Gestern habe ich an dem Selbsthilfegruppen-Bundestreffen teilgenommen. Organisiert wurde es von der Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen e.V. (DGZ) und so sah die Agenda aus:

09:30 Uhr: Ankommen und Begrüßung

10:00 Uhr: Vortrag von Frau Dr. Anne Külz aus Freiburg zum Thema „Achtsamkeit“

11:00 Uhr: Diskussion

11:30 bis 12:00 Uhr: Pause

12:00 bis 13:30 Uhr: Aus den Selbsthilfegruppen, Wünsche und Anregungen an die DGZ

13:30 Uhr: Ende

Wir starteten das Zoom-Meeting mit einer kurzen Vorstellungsrunde auf freiwilliger Basis. Einige Teilnehmende hatten die Kamera an, einige aber auch aus. Letzteres finde ich besonders angenehm für jene Betroffene, die anonym bleiben möchten.

Frau Dr. Anne Külz hielt einen hervorragenden Vortrag über Achtsamkeit und Zwangsstörungen. Ihr kennt sie bereits aus einem früheren Blog Post von mir, in welchem ich über ihr Buch „Dem inneren Drachen mit Achtsamkeit begegnen: Selbsthilfe bei Zwängen“ berichtet hatte. Wie im Flug ging die Stunde vorbei und ich hätte ich nur ewig zuhören können. Sie hat ein großes Wissen und ist eine sehr empathische Therapeutin. Umso mehr hat es mich gefreut, dass sie noch für eine Frage und Antwort Runde zur Verfügung stand, an welcher auch rege teilgenommen wurde.

Nach einer kurzen Pause kamen die Teilnehmenden aus den Selbsthilfegruppen zu Wort. Einige sind aktuell noch in keiner SHG, zeigten aber großes Interesse. Insgesamt wurden sehr hilfreiche und interessante Wünsche geäußert, auf welche die DGZ demnächst auch eingehen wird.

Wenn euch das auch interessieren sollte, schaut gerne mal hin und wieder auf der Homepage der DGZ vorbei. Die nächste bereits veröffentlichte Veranstaltung wird am 23. + 24.09.2022 in Lübeck stattfinden. Es ist die Jahrestagung der DGZ mit dem Motto: “Aus der Leitlinie in die Praxis”

Seid ihr Teil einer Selbsthilfegruppe? Und wenn ja, würdet ihr evtl. mit uns teilen, welche das ist? Gerne auch per DM an mich und teile eure Empfehlungen selbstverständlich anonym in einem separaten Beitrag.