Die Reportagen-Anfrage

Am Donnerstag erhielt ich via Instagram eine Anfrage von einer Medienagentur, ob ich eine Reportage über meine Zwangsstörung drehen würde. Ich war sofort begeistert, denn via Fernsehen ist es möglich, viele Menschen zu erreichen. Das wäre eine super Möglichkeit, um über Zwangsstörungen aufzuklären und sie zu entstigmatisieren. Also telefonierten wir und ich hörte mir an, wie das Konzept sein könnte. Wir hatten ein sehr einfühlsames und vertrauensvolles Gespräch. Auch konnte ich mir 2 Beispielvideos von früheren Reportagen anschauen.

Es gab allerdings 2 Haken:

  1. Die Reportage war für eine Sendung, die tagsüber in einem Privatsender ausgestrahlt wird.
  2. Ich hätte die finale Reportage nicht anschauen dürfen, bevor sie gesendet wird.

Was soll ich sagen, ich habe mich einfach nicht zu 100% wohlgefühlt. Zuviel hätte falsch dargestellt werden können. Wir Betroffene wollen nicht in die Opferrolle, Mitleid erhalten oder als schrullig abgestempelt werden. Wir wollen einfach nur Respekt. Respekt dafür, dass wir jeden Tag mit dieser leidvollen und kräftezehrenden Krankheit wieder aufstehen, kämpfen und das Beste daraus machen.

Es beschäftigt mich immer noch, dass ich abgesagt habe. Ich hätte wirklich gerne die Reichweite für mein Herzensthema Zwangsstörungen genutzt. Allerdings hätte ich mir ein anderes Format gewünscht. Ich hätte gerne seriös meine Geschichte erzählt und zwar positiv. Dass es möglich ist, ein gutes Lebens zu leben, auch mit der Diagnose Zwangsstörung. Ich wollte Mut machen. Hoffnung spenden. Zeigen, dass ich trotz Waschzwang 2 Hunde gerettet habe. Und noch so viel mehr…

Ich bin mir sicher, es kommt noch die richtige Anfrage. Von einem seriösen Sender für ein seriöses Format. Und dann bin ich gerne bereit.